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Colum McCann - Der Himmel unter der Stadt

Colum McCann - Der Himmel unter der Stadt
Originaltitel: This Side of Brigthness

Inhalt:
Amazon-Kurzbeschreibung: (von www.amazon.de)
Das New Yorker Subway-System ist ein gigantisches Tunnellabyrinth mit verlassenen Gewölben, stillgelegten Gleisen, vergessenen Waggons - letzte Zuflucht für Tausende von Obdachlosen. Hier lebt auch der ehemalige Stahlbauer Treefrog und hier trifft er eines Nachts auf Angela, die ihn an seine Frau erinnert. Ihr erzählt er seine Geschichte. McCann führt uns in eine unbekannte, häufig brutale Welt, erzählt von Iren, Italienern, Farbigen, Indianern, die zu Beginn des Jahrhunderts durch ihre Arbeit den Bau Manhattans vorantrieben und nie vom wachsenden Wohlstand der Stadt profitierten.

Aufbau und Handlung:
Die Geschichte beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Bau des Tunnels, der Brooklyn und Manhattan verbindet. Nathan Walker arbeitet dort unter harten Bedingungen mit Hacke und Schaufel. Der Autor erzählt über Nathans Leben, seine Freunde und seine Familie. Er heiratet als Schwarzer aus Liebe eine Weiße und beide sind dadurch Anfeindungen ausgesetzt. Er nimmt den Rassenhass, die Armut und die vielen Schicksalsschläge hin, aber immer wieder erhellt sich sein düsteres Leben. Sie bekommen drei Kinder und wohnen in ärmlichen Verhältnissen. Als er älter wird verliert seinen Job und seine Frau arbeitet in einer Fabrik. Nathan stellt daheim kleine Möbelstücke her und trägt damit zum Lebensunterhalt bei. Er sieht seine Kinder aufwachsen und lebt nach dem Tode seines Sohnes mit seiner Schwiegertochter und dem Enkelsohn in einer Wohnung. Der Enkel liebt seinen Großvater und es entwickelt sich eine schöne Beziehung. Auch als der Enkel später eine eigene Familie hat, bleibt diese bestehen.

Der zweite Handlungsstrang erzählt von Treefrog – einem Obdachlosen, der genau in den alten, verlassenen Tunnelsystemen in Ney York lebt. Er hat sich „ein Nest“ eingerichtet, das sich weit oben im Tunnel befindet. Früher hat er als Stahlbauer in den Wolkenkratzern gearbeitet und da er ist völlig schwindelfrei ist kommt problemlos hinauf in sein „Nest“. Er trinkt und hat einige manische Zwangshandlungen entwickelt, die ihn aber keinesfalls unsympathisch erscheinen lassen. Es entwickelt sich eine Beziehung zu der drogenabhängigen Angela, die sich jedoch nicht für ihn entscheiden kann. Die Charaktere, die dort leben werden von McCann sehr bildlich mit ihren Eigenheiten beschrieben. Mit vielen kleinen Details, wie einer aus Krawatten zusammengeknoteten Wäscheleine oder einem an die Tunnelwand gesprühtem Dali-Bild (die fließenden Uhren) ist die Geschichte bunt und vielschichtig.

Im letzten Drittel des Buches verbinden sich die beiden Handlungsstränge. Das Buch endet hoffnungsvoll mit einem Licht am Ende des Tunnels.

Über Colum McCann:
Colum McCann wurde 1965 in Dublin geboren. Er arbeitete als Journalist, Farmarbeiter und Lehrer und unternahm lange Reisen durch Asien, Europa und Amerika. für seine Erzählungen erhielt McCann, der heute in New York lebt, zahlreiche Literaturpreise.

Auf den Seiten des Deutschlandradios habe ich ein Interview von Tanya Lieske vom 31.01.2007 mit ihm gefunden. Ich habe den Link dazu hier eingefügt:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/588651/

Ich möchte daraus ein paar Zeilen zitieren:
McCann: „Vor einigen Jahren habe ich diesen Roman geschrieben, der Himmel unter der Stadt. Ich habe mit den Obdachlosen gelebt in den U-Bahnen von New York. Die Obdachlosen waren ziemlich verrückt, es gab einige, die sich ganz gut durchschlagen konnten, sie hatten sogar nette Unterkünfte. Aber ganz egal wer sie waren, ob schwarz oder weiß oder Mann oder Frau, jeder einzelne hat zu mir gesagt: Wenn ich hier rauskomme. Nicht: Falls ich hier rauskomme, sondern: Wenn ich hier rauskomme. Diese Eigenschaft im Geist des Menschen liebe ich, dass er so unbedingt an das Glück glaubt. Auch wenn sich das Glück nicht einstellt, die Sehnsucht nach dem richtigen Ort bleibt in uns erhalten. Sonst hat das Leben ja gar keinen Sinn mehr.“

Meine Meinung:
McCann erzählt in einer knappen und doch gefühlvollen Sprache aus dem Leben seiner beiden Protagonisten. Es werden auch die äußeren Gegebenheiten, wie Armut, Rassenhass und die Probleme der Obdachlosen angesprochen, aber es erfolgt keine intensive Auseinandersetzung mit diesen Themen. Der Autor schildert sie als Randbedingungen. Die Beiden erleben zwar eine recht düstere Gegenwart, die aber immer wieder durch schöne Momente aufgehellt wird.

Dadurch ist das Buch sehr schön zu lesen. Man bekommt Einblicke in zwei Welten, über die ich mir bisher noch gar keine Gedanken gemacht habe.
Bemerkenswert finde ich auch den Schreibstil von Colum McCann, der mit wenigen Worten trotzdem so viel ausdrücken kann. Er schreibt von Liebe, Wahnsinn, Leid, Verzweiflung und Hoffung!

Ich finde es ist ein wirklich lesenswertes Buch, das den Leser aufwühlt und mitempfinden lässt.
6.3.07 17:01
 



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